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Tagung: Wissensräume. Der Campus und seine Architektur, vom 22. bis 23. Juli 2017 in Frankfurt am Main

Die Studiengruppe »Architektonischer Affekt und gebaute Emotion« rückt mit der Tagung den Campus als Architektur in den Fokus der Betrachtung, der sonst kaum bewusst wahrgenommen wird. Sie will den architektonischen, aber auch institutionellen Wandel und den des Affekts in Bezug auf die Universität untersuchen.

Die Konferenz geht von der Beobachtung aus, dass der Campus als täglich genutzter Ort kaum bewusst wahrgenommen wird. Das gilt bei einem Gros der Nutzer wohl selbst – oder vielleicht gerade – dann, wenn omnipräsente Visualisierungen und Medialisierungen bauliche Neuerungen, etwa die sukzessiven Um- bzw. Neubautranchen des Campus Westend der Goethe Universität, publik machen, ja in Szene setzen. Wirklich anders ist zumeist es nur, wenn besonders markante Zäsuren Alltagstrancen durchbrechen: Am 2. Februar 2014 wurde etwa der AFE-Turm der Universität Frankfurt gesprengt, in dem unter anderen die Fachbereiche Erziehungs- und Gesllschaftswissenschaften beherbergt waren. Hier wurde den meisten Beobachtern deutlich: Mit dem Abriss des schon zu ‚Lebzeiten‘ polarisierenden Turmes ging auch eine bestimmte Universitätskultur zu Ende, die sich auf dem Campus Bockenheim entwickelt hatte. Der im Jahre 1972 erbaute Turm bekrönte weithin sichtbar ein Areal, das ansonsten von den lichten, ‚didaktisch‘ inspirierten 50er-Jahren-Bauten des Modernisten Ferdinand Kramer geprägt war. Die Sprengung des diesen Campus überragenden Turmes markierte öffentlichkeitswirksam einen symbolischen Umbau, der Standortverlagerung (vom Bockenheimer Kiez auf die Campus-Insel im Westend), räumliche Neukonzeption sowie architektonischen Wandel umfasst. Ab 2004 sind auf dem Campus Westend, im Umkreis des seit 2001 genutzten IG-Farben-Hauses, bisher zwei Neubautranchen vollendet worden, und eine dritte ist eingeleitet. Hier nimmt eine völlig andere räumliche Konzeption von Campus und seiner architektonischen Gestaltung Form an, andere historische und typologische Referenzen als auf dem Vorgängercampus werden aktiviert. Zudem hat sich auch das Profil der auf dem Campus präsenten Kunst verändert – Prozesse, die trotz ihrer angeblich breiten Zustimmung sehr kontrovers diskutiert werden.

Dieser architektonische, räumliche und nicht zuletzt institutionelle bzw. kulturelle Wandel an der Universität Frankfurt hat auch Lehrende verschiedener Fächer (u.a. Gesellschaftswissenschaften, Kunstgeschichte, Humangeographie) dazu veranlasst, in Lehrveranstaltungen gemeinsam mit Studierenden über seine Struktur und seine Aussagekraft zu reflektieren sowie die ihn begleitenden Diskurse zu analysieren: Über den Zeitraum von drei Semestern hat sich die Frankfurter Studiengruppe Architektonischer Affekt in interdisziplinärer Perspektive mit dem Zusammenhang von Affekt und Universitätscampus bzw. Hochschularchitektur beschäftigt. Die Konferenz Wissensräume soll nun die bereits erfolgten Reflexionen bündeln, vertiefen und einen Raum für interdisziplinären Austausch anbieten. Vor allem aber sollen von Frankfurt ausgehend, Vergleiche zu anderen Campen, ihrer Geschichte, Form und Aneignung, hergestellt werden.

Zu klären ist etwa: Welchen Einfluss können gestaltete Räume auf institutionelle – didaktische, diskursive, mediale etc. – Kulturen ausüben? Wie lassen sich speziell für die Universität, aber stets partiell und vor allem programmatisch immer mehr auch für die Stadt (Stichwort Bürgeruniversität) entworfene Räume und deren tägliche Nutzung analysieren? Inwieweit gelingt es, mit neuen architektonischen und urbanen Konzepten eine neue Lehr- und Studien-Kultur zu ermöglichen? Inwieweit gibt es innerhalb eines bestimmten architektonischen wie auch diskursiven bzw. institutionellen Rahmens Raum für alternative Aneignungsstrategien? Welche experimentellen Möglichkeiten bieten künstlerische und soziale Interventionen, um über die Macht der Räume – manchmal auch Räume der Macht – zu reflektieren und gleichzeitig neue Perspektiven außerhalb der ‚vorgeschrieben‘ Wege zu entwerfen?

Programm

22. Juli
Raum Jur. 303, Campus Bockenheim

10:30 h
Jun. Prof. Amalia Barboza (Atelier de Recherche), PD Dr. Markus Dauss (Studiengruppe Architektonischer Affekt): Begrüßung und Einführung

Themenblock 1: Campen der Nachkriegsmoderne

11:00 h
Dr. Helen Barr (Goethe Universität Frankfurt, Institut für Kunstgeschichte): Rhetorik der Erklärung. Der Campus Bockenheim in Architekturkritiken seiner Bauzeit

12:00 h
Dr. Bettina Marten (Goethe Universität Frankfurt, Institut für Kunstgeschichte, Autorin und Kuratorin von Ausstellung und Katalog zu Ferdinand Kramer): Kramers Konzepte für die Universität Frankfurt. Anspruch und Realisierung

13:00 h Mittagspause im Restaurant Pielok, Jordanstraße 3, 60486 Frankfurt am Main

14:00 h
Timocin Celebi (Universität Duisburg-Essen, Historiker, Mitautor von: Ruhr-Universität Bochum. Architekturvision der Nachkriegsmoderne, Berlin 2015): Die Ruhr-Universität und die nordrhein-westfälische Hochschullandschaft 1965-85

15:00 h
Dr. Lil Helle Thomas (Universität des Saarlandes, Fachbereich Kunst- und Kulturwissenschaft): Von der Kaserne zum Leuchtturm. Campus-Konzeptionen der Universität des Saarlandes im Wandel

Themenblock 2: Campen der Gegenwart

16:00 h
Prof. Dr. Bernd Belina/Dr. des. Jürgen Schardt (Goethe Universität, Institut für Humangeographie, Co-Autoren von: Neoliberalising the Fordist University. A Tale of Two Campuses in Frankfurt a. M., Germany, in: Antipode 45(3), 2013. S. 738-759): Der Campus als Raum der Neoliberalisierung?

17:00 h
PD Dr. Markus Dauss (Goethe-Universität, Institut für Kunstgeschichte): Zwischen Campus und Image. Die Bauten des Campus Westend als ‚Corporate Architecture‘

18: 00 h Keynote
Prof. Dr. Stefan Muthesius (University of East Anglia, Architekturhistoriker, Autor von: The Post-War University. Utopianist Campus and College, New Haven 2000): Campus und College. Planerische Aspekte der neuen universitäten der 1960iger Jahre in England

19:00 h
Gemeinsames Abendessen/Catering

23. Juli 2016
Raum 1.414, Campus Westend

Themenblock 3: Methoden und Künste der „Raumforschung“

9:30 h
Jun. Prof. Amalia Barboza (Universität des Saarlandes, Fachbereich Kunst- und Kulturwissenschaft): Kunst auf dem Campus. Zwischen Ästhetisierung, Forschung und Intervention

10:30 h
Sabine Bitter, Helmut Weber (Urban Subjects, Wien) :Architekturen der Bildungsmoderne: asynchrone Räume des Wissens

11:30 h
Boris Sieverts (Büro für Städtereisen, Köln): Der Campus als Architekturlandschaft, atmosphärischer Parcours und heterotopisches Kabinett

12:30 h
Georg Winter (Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken): Psychotektonik des Campus

13:30 h Mittagspause auf dem Campus Westend

14:30 h
Iris Dzudzek (Goethe-Universität, Institut für Humangeographie), Jakob Sturm (Künstler): Labor für Raumstrategien

15:30 h
Diskussion/Austausch mit special guests

16:30 h
Blick aus der aktuellen architektonischen Praxis.
Dr. Tânia da Rocha Pitta (Soziologin am Centre d'Études sur l'Actuel et le Quotidien, Paris, Architektin im Atelier Christian de Portzamparc): La Nouvelle Université Paris III. L’Imaginaire bâti

17:30 h
Abschlussperspektiven

Ort
22.07, 10.30-19h, Campus Bockenheim, Raum Jur. 303
23.07, 9.00-18.30, Campus Westend, Raum 1.414

Veranstalter: Studiengruppe "Architektonischer Affekt und gebaute Emotion" (Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Amalia Barboza, Universität des Saarlandes, und PD Dr. Markus Dauss, Goethe Universität)

Weitere Informationen: www.kunst.uni-frankfurt.de

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