Tagungen

Tagung: Schicht um Schicht. Die Bedeutung und Ästhetik der Oberfläche, vom 9. bis 11. Juni 2016 in Kassel

Die Fachgruppe Gemälde des Verbands der Restauratoren und die Museumslandschaft Hessen Kassel organisieren diese interdisziplinäre Tagung für Restauratoren und Kunstwissenschaftler. Sie wird sowohl Fragen der Kunsttheorie behandeln, als auch Berichte aus der Restaurierungspraxis präsentieren.

Diese Tagung soll Beispiele benennen, bei denen ungewöhnliche Wege der Reinigung oder Schichtentrennung beschritten wurden, um zum Erfolg zu gelangen. Sie soll aber auch gescheiterte Versuche oder unbefriedigende Ergebnisse thematisieren, um aus diesen lernen zu können.

Welche Bedeutung messen wir der originalen Oberfläche beim Betrachten von Kulturobjekten zu? Welche Auswirkungen auf die ästhetische Erlebbarkeit des Kunstwerkes können irreversible Hinzufügungen oder die Oberfläche sogar schädigende Behandlungen haben? Auf dieser Tagung sollen Veränderungen der Oberflächenstruktur, des Glanzes, des Tiefenlichtes, der Farbigkeit eines Kunstwerks thematisiert werden. Einerseits geschieht dies mit den Augen und auf Basis der Erfahrungen der Restauratoren, andererseits der Kunsthistoriker, die den „historischen Blick“ auf den Umgang mit Oberflächen in der Kunst analysieren.

Mit dem Ziel, soviel Original wie möglich sichtbar zu machen, sind Restauratoren aus allen Fachbereichen in der Regel in der Lage, mit viel Sachverstand für die Materialität und feinmotorischem Geschick, Verschmutzungen oder spätere Zutaten Schicht um Schicht zu entfernen. Diese Schichten unterschiedlichsten Materials, die sich auf den originalen Oberflächen unseres Kulturgutes befinden, sind den Umgebungsbedingungen, der Alterung oder Hinzufügungen von anderer Hand geschuldet. Dabei kann es sich um verhärtete, fast unlösbare Übermalungen, um Firnis oder Lack, alte Kleberreste oder aggressive Verschmutzungen handeln, um nur einen Teil der vielfältigen Möglichkeiten zu benennen.

Es sind bereits vielerlei Reinigungssysteme und Methoden entwickelt worden, sei es mit Wasser und Seife, mit Lösemittel oder Pasten, mit Schwamm, Bürste, Skalpell oder Laser, - eine Fülle von Hilfsmitteln, die bei Maßnahmen dieser Art zielführend sein sollten. Dennoch stoßen Restauratoren in speziellen Fällen an Grenzen, wenn sich die Materialien und Methoden als nicht wirkungsvoll oder schonend genug herausstellen. Situationen dieser Art erfordern Erfindungsreichtum und unter Umständen Lösungsansätze, die nicht der gängigen Praxis entspringen.

Programm

Donnerstag, 9. Juni 2016

10.00 Uhr Anmeldung im Foyer der Orangerie

11.00 Uhr Empfang mit Snacks und Getränken

12.00 Uhr
Begrüßung durch den VDR

12.10 Uhr
Dr. Justus Lange, Kassel: Begrüßung und Einführung

12.20 Uhr
Anne Harmssen, Kassel: Von der Endlichkeit makellos schöner Oberflächen

12.50 Uhr
Prof. Dr. Helmut Leder, Wien: Wahrnehmung von Kunst aus Sicht der empirischen Ästhetikforschung. Eine Frage des Stils?

13.20 Uhr
Dietmar Wohl, Münster: Aussagen in den Theorien der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaft zur Oberfläche von Gemälden

13.50 Uhr
Prof. Dr. Dietmar Rübel, Dresden: Handarbeit und Maschinenästhetik – Oberflächen als Arbeitsspeicher in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts

14.20 Uhr
Nathalie Bäschlin, Bern: Fragil und preziös – spannungsvolle Gemäldeoberflächen des 20. Jahrhunderts

14.50 Uhr Kaffeepause

15.20 Uhr
Prof. Dr. Martina Sitt, Kassel: Noch nicht nah genug? Probleme des Wissenstransfers zwischen Kunstgeschichte und Restaurierung

15.50 Uhr
Sybille Schmitt, Köln: Systematik und Hilfsmittel zur Bestimmung und Bewertung von Oberfläche und Struktur an Gemälden

16.20 Uhr
Cornelius Palmbach, Bern: Thermische Schichtprüfung – Visualisierung von Schäden und verborgenen Strukturen an Malschichten und anderen beschichteten Oberflächen mittels aktiver Thermografie

16.50 Uhr
Theresa Bräunig, Dresden: „Kruzifix!“ Rekonstruktion der Gestaltung eines spätgotischen Werkes mittels 3D-Technik

17.20 Uhr
Susanne Litty / Mira Dallige-Smith, Berlin: Glänzender Sch(r)ein – die Komplexität von Original und Überarbeitung am Beispiel eines nordindischen Miniaturaltars

17.50 Uhr
Ende der Vortragsreihe

19.30 Uhr
Fest mit Musik im Gartensaal der Orangerie (Anmeldung erforderlich)

Freitag, 10. Juni 2016

09.00 Uhr
Begrüßung im Gartensaal der Orangerie

09.10 Uhr
Thomas Krämer, Kassel: Veränderung der Bildoberfläche bei der Dünnung oder Abnahme von Firnissen. Ein Beispiel aus der Kasseler Gemäldegalerie Alte Meister

09.40 Uhr
Dr. Jörg Klaas, Basel / Dr. Heike Stege, München: „Wie graublau angestrichene Flächen“ – Die Veränderungen ultramarinhaltiger Farbschichten in der Tafelmalerei

10.10 Uhr
Dr. Albrecht Pohlmann / Linda Haselbach, Halle (Saale): Ausblühungen, Weißschleier, Protrusionen – Fettsäureabspaltungen und Schwermetallseifen in den Ölstudien des deutsch-römischen Malers Adolf Senff (1785–1863)

10.40 Uhr Kaffeepause

11.10 Uhr
Andreas Krupa, Köln: Rekonstruktion als restauratorische Maßnahme? – Glanz und Farbe einer Möbeloberfläche mit Mahagoni-Optik

11.40 Uhr
Andreas Hoppmann, Köln: Firnistrennung an einem Triptychon von Bartholomäus Bruyn d. Ä. – Ein wahrgenommener Glücksfall

12.10 Uhr
Sabine Formanek, Bern: Eine Oberfläche die mit „Kreide und Wasser und einem Stück Filz solange geschliffen, bis es wie Glas ist” – Die Restaurierung einer Tischplatte mit Umdruckdekor

12.40 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr
Dr. Jonathan Bikker, Amsterdam: What’s so funny about impasto? Arnold Houbraken’s lampooning of Rembrandt’s use of texture in perspective

14.30 Uhr
Stefanie Lorenz, Dresden: Die Restaurierung des Gemäldes „Flußlandschaft“ von Jacob Philipp Hackert. Eine Methode zur schichtenselektiven Firnisabnahme

15.00 Uhr
Dr. Babett Forster, Jena / Romy König-Weska, Erfurt: Das Bildnis als Palimpsest. „Schicht um Schicht“ am Beispiel von
Gelehrtenporträts aus dem 16. Jahrhundert

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr
Dr. Markus Santner, Wien: Original oder Fiktion – Die Materialität mittelalterlicher Wandbilder im Spiegel der Zeit

16.30 Uhr
Dr. Felix Muhle, Ludwigsburg: Empfindlicher Glanz: Die Fassungen auf „Porcellain-Arth im Wohn-Cabinet“ Abt Anselms II. in Kloster Salem

17.00 Uhr
Ende der Vortragsreihe

18.00 Uhr
Treffen in Gastronomie (Selbstzahler)

Samstag, 11. Juni 2016

09.00 Uhr
Begrüßung im Gartensaal der Orangerie

09.10 Uhr
Eva Bader, Frankfurt: Die Oberflächenreinigung der Installation „Barraque D’Dull Odde“ von Joseph Beuys im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld

09.40 Uhr
Franziska Bolz, Köln: Von Schuhcreme, Sand und Feuer – künstliche Alterung als Bestandteil von Tingatinga-Gemälden aus Tansania (Ostafrika)

10.10 Uhr Kaffeepause

10.40 Uhr
Caroline von Courten, Leiden: The Photographic Surface as Interface in mixed-media photo-works: Layers of materials, processes and meanings in Ger van Elk’s „Dutch Grey“ (1983/84)

11.10 Uhr
Helena Ernst, München: „The Keep“ von Mike Kelley im Museum Brandhorst

11.40 Uhr
Zusammenfassung und abschließende Worte

12.10 Uhr
Ende der Veranstaltung in der Orangerie

13.00 Uhr
Angebot im Anschluss: Führungen durch die Sammlungen der Museumslandschaft Hessen Kassel

Veranstalter: Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK); Verband der Restauratoren (VDR)

Tagungssprachen: Deutsch und Englisch

Online-Anmeldung: www.restauratoren.de

Organisatorenteam:
Anne Harmssen, Museumslandschaft Hessen Kassel (a.harmssen(at)museum-kassel.de)
Anne Levin, Fachgruppe Gemälde VDR (Levin_VDR(at)gmx.de)

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