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Tagung: 1. Forum Kunst der Neuzeit. Die Kunst der »langen« Konfessionalisierung 1517–2017, vom 7. bis 10. September 2016 in Augsburg

Der Deutsche Verein für Kunstwissenschaft veranstaltet das erste Forum Kunst der Neuzeit. Dieses steht unter dem Eindruck der Lutherdekade und untersucht die Kunst der Konfessionalisierung und ihre Begleiterscheinung. Dabei erfasst es sowohl sakrale Kunst als auch Architektur, Ikonographie und profane Kunst.

Die Tagung wird dem Thema »Die Kunst der langen Konfessionalisierung 1517–2017« gewidmet sein und soll epochenübergreifend nicht alleine die Kunstwissenschaft, sondern allgemein die Geisteswissenschaft und auch die Theologie einbeziehen.

Die Diskussion der Tagung soll den aktuellen historischen und kirchengeschichtlichen Ansätzen Rechnung tragen, indem sie die Konfessionskulturen von 1517 bis 2017 erstmals in dieser breiten Spanne für die Kunstgeschichte in den Blick nehmen will.

Kein Ort ist aufgrund seiner Geschichte für die geplante Tagung so geeignet wie Augsburg: Nach der Formulierung der »Confessio Augustana« (1530), der Bekenntnisschrift der Lutherischen Kirche, wurde – veranlasst durch Kaiser Karl V. – das »Augsburger Interim« (1548) verfasst, das eine Gleichberechtigung in der Ämterverteilung beider Konfessionen enthielt und im »Augsburger Reichs- und Religionsfrieden« von 1555 gipfelte.

Im Geiste der Parität der Konfessionen sollen auf der Augsburger Tagung jeweils die zwei Seiten der Medaille betrachtet werden und dabei einmal die Rolle von Architektur und Bildender Kunst im langen Konfessionalisierungsprozess und zum anderen die Diskurse aus der fach- wie wissenschaftsgeschichtlichen Perspektive betrachtet werden. Über Gattungs- und Epochengrenzen hinweg soll die Rolle von Architektur und Bildenden Künsten untersucht werden, wobei das Thema fokussiert wird auf Kunstdenkmäler im deutschsprachigen Raum. Der im Tagungstitel verwendete Begriff der Konfessionalisierung beschreibt dabei die parallel und auch teilweise querlaufende und ineinandergreifende Entwicklung von Kirche, Staat und Gesellschaft in den Jahrzehnten und Jahrhunderten nach 1517.

Programm

Mittwoch, 7. September 2016

16.00–18.00 Uhr
Plenum

Antje Fehrmann (Berlin): Konfessionalisierung und Traditionsbildung in den Wettbewerben zum modernen Kirchenbau nach 1840

Arwed Arnulf (Berlin): Traditionsverweisende Inanspruchnahme und repräsentative Inszenierung. Formen, Funktionen und Strategien protestantischer Veränderung altgläubiger Kirchenräume im 17. und 18. Jahrhundert

Anna Schreurs-Morét (Freiburg): Zeugnis, Gedächtnis, Zeichen? Fallbeispiele künstlerischer Annäherungen der Konfessionen im 17. Jahrhundert

18.00 Uhr
Abendveranstaltung

Abendvortrag: Lyndal Roper (Oxford): Frühe reformatorische Bildpropaganda

Empfang der Universität

Donnerstag, 8. September 2016

9.00–12.30 Uhr
Augsburg

Yvonne Arras (Tübingen): Zwischen Ordensreform und Reformation. Johann Faber und der Neubau der Dominikaner­kirche St. Magdalena in Augsburg

Danica Brenner (Trier): "anders zulernen gedrungen". Quantitative Beobachtungen zu den Auswirkungen der Konfessionalisierung auf die Augsburger Maler

Angelika Dreyer (München): »Ein Bild kommt von der Hand des Künstlers ungeweyhet« – Barocke Freskomalerei in den protestantischen Kirchen Augsburgs

Klaus Wolf (Augsburg): Konfessionelle Kostüme oder Ökumene im Bühnenbild? – Neue Überlegungen zum Drama des konfessionellen Zeitalters

9.00–12.30 Uhr
Wissenschaftsgeschichte / Konfessionelle Bildung

Anja Ottilie Ilg (Trier): Konfessionalisierende Cranach-Imaginationen: Cranach der Ältere als diskursive Künstlerfigur

Stefanie Knöll (Coburg): Der konfessionelle Blick: Kunsthistorische Forschung zum Totentanzmotiv im 19. Jahrhundert

Jörg Stabenow (Dortmund): Die Kanzeln der Konfessionen. Ein identitätsstiftendes Kirchenmöbel in konfessionsübergreifender Perspektive

11.45–11.15 Uhr | 12.20–12.50 Uhr
Einführung in die Sonderausstellung "Bibeln vor und nach Luther. Handschriften und Drucke vom 8. bis zum 18. Jahrhundert" der Universitätsbibliothek Augsburg/Schatzkammer der Zentralbibliothek

14.00–14.40 Uhr
Postersektion: Werkstattberichte

Hanns-Paul Ties (München): Der Maler und Täufer Bartlme Dill Riemenschneider (ca. 1495/1500–1549/50). Reformatorische Kunst im katholischen Tirol

Romina Ebenhöch (Gießen): Schmuck und Konfession? Zur Frage nach dem Verhältnis von Konfession und Gestaltung von Schmuckanhängern in Buchform

Waltraud M. Solty (Merzig): Kontinuität und Wandel des Familienbildes am Beispiel der Anna Selbdritt und der Heiligen Sippe in der deutschen Renaissancekunst

Constanze Köster (Kiel): Jürgen Ovens und der Einfluss der Konfession auf Leben und Werk eines deutschen Malers des 17. Jahrhunderts. Sakrale Malerei nach katholischem Vorbild für den lutherischen Norden

14.00–18.15 Uhr
Ikonographie

Julia Fischer (Freiburg): Zwei Konfessionen, ein Bildprogramm? Die Fresken des simultan genutzten Kirchenraums der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach an der Riss (1746–1748)

Katharina Frank (Stuttgart): Die biblischen Historien der Cranach-Werkstatt zwischen Wissenschaftsgeschichte und Konfessionalisierung

Andrea Gottdang (Salzburg): Katholische Buße – Mit Pracht, Musik und Freude. Die Exegese des 4. Bußpsalms im Bußpsalmencodex Albrechts V. (BSB München, Mus.ms.A)

Christian Neddens (Saarbrücken): »Genuin lutherisch« oder »allgemein christlich«? Konfessorische Bilder und Texte am Vorabend des Augsburger Reichstags (1530)

14.45–18.15 Uhr
Architektur

Meinrad von Engelberg (Darmstadt): Tempus oder Modus? Die Konfessionsgebundenheit des Kirchenraums als Grundfrage der »langen« Konfessionalisierung

Ulrich Fürst (München): Die Erfindung der süddeutschen Wandpfeilerkirche in den Jahren um 1600 – Neue Konzepte für den Kirchenraum in einer konfessionellen Gemengelage

Kai Wenzel (Görlitz): Konfessionelle Codierungen im mitteleuropäischen Kirchenbau der Frühen Neuzeit

20.00 Uhr
Abendveranstaltung

Abendvorträge (Kontinuität und Diskontinuität. Vom vorreformatorischen zum evangelischen Frauenkloster in Niedersachsen):

  • Jens Reiche (Hannover): Fortsetzung einer großen Vergangenheit. Das Verhältnis der evangelischen Klöster zur vorreformatorischen Zeit
  • Jörg Richter (Hannover): Bewahren und Adaptieren. Zum Umgang mit mittelalterlichen Textilien in evangelischen Konventen der Frühen Neuzeit

Abendöffnung im Maximilianmuseum und in der Staatsgalerie

Freitag, 9. September 2016

9.00–15.30 Uhr
Ausstattung von Sakralräumen

Uta Kuhl (Schleswig): Die Kapelle von Schloss Gottorf - ein früher protestantischer Kirchenraum. Glauben und herrschaftliche Repräsentation

Esther Meier (Gießen): Kontroverstheologische Diskurse in einer Simultankirche: Die Bildausstattung von St. Petri in Bautzen

Mateusz Mayer (Wien): Grabkapellen als Medium konfessioneller Auseinandersetzung im barocken Schlesien?

Almut Pollmer-Schmidt (Frankfurt a.M.): Gemalte Kirchen als Medien des konfessionellen Diskurses

Inga Brinkmann (Marburg): Konfessionelle Erforschung und Inanspruchnahme mittelalterlicher Kirchenausstattung im 19. Jahrhundert in Deutschland

Wolfgang Cortjeans (Leuven, Belgien/Berlin): Fiktion Gotik: Die Kanonisierung des Handwerklichen in der Stilauffassung der »Kölner Richtung«

16.00–17.30 Uhr
Profane Kunst

Michael Wenzel (Wolfenbüttel): Artefakt und Bekenntnis. Philipp Hainhofers Kunstschränke im Spiegel konfessioneller Positionen vor und während des Dreißigjährigen Krieges

Rainer Schmitz / Johanna Söhnigen (Berlin): "Lebe droben, o Vaterland." Über die Sakralisierung der Nation in der Architektur

20.00 Uhr
Abschlussveranstaltung: Konzert und Empfang in den Städtischen Kunstsammlungen
Abendöffnung im Maximilianmuseum und in der Staatsgalerie

Samstag, 10. September 2016

9.00–12.00 Uhr
Stadtführungen in Augsburg

  1. Führung zur Geschichte und Kunst Augsburgs
  2. Führung zu Augsburg als Stadt der "Parität"

Anmeldung zur Teilnahme unter www.neuzeitkongress.de

Tagungsbüro Forum Kunst der Neuzeit
Ulrike Rück M.A. | Universität Augsburg, Lehrstuhl für Kunstgeschichte/Bildwissenschaft | Universitätsstr. 10 | 86159 Augsburg | Tel.: +49/179/6 76 55 66 | E-Mail: tagungsbuero-fkdn@o2mail.de

Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e. V.
Geschäftsstelle Berlin | Jebensstraße 2 | 10623 Berlin |
E-Mail: dvfk@alice.de

Organisiert durch
Wolfgang Augustyn (München) | Dorothea Diemer (München) | Birgit Ulrike Münch (Trier) | Andreas Tacke (Trier)

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