Tagungen

Symposium: Hannah Höch. Werk und Wirkung, am 5. Dezember 2016 in Mülheim an der Ruhr

Hannah Höchs Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Begleitend zu seiner aktuellen Ausstellung veranstaltet das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr gemeinsam mit den Universitäten in Duisburg und Essen.

Hannah Höch (1889 Gotha – 1978 Berlin) gilt als die bedeutendste deutsche Künstlerin der Klassischen Moderne. Als »Revolutionärin der Kunst« vermochte sie es, die emanzipatorische Kunst der Avantgarden der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der zweiten Hälfte zu verknüpfen. Eine revolutionäre, vom rebellischen Dada-Bewusstsein durchdrungene künstlerische Haltung prägte Leben und Werk. In der inneren Emigration und nach 1945 entwickelte die von den Nationalsozialisten als »entartet« verfemte Künstlerin ihr Werk weiter. Sie wurde zu einer maßgeblichen Wegbereiterin für den Aufbruch einer jungen Künstlergeneration, die in den 1960er-Jahren das utopisch-revolutionäre Potenzial von 1918 neu zu beleben suchte.

Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zeigt die erste umfassende Retrospektive über das Werk von Hannah Höch nach dem Zweiten Weltkrieg, die zuvor in etwas umfangreicherer Form in der Kunsthalle Mannheim zu sehen war. Damit setzt das Mülheimer Kunstmuseum seine Auseinandersetzung mit verfemten Künstlern und Künstlerinnen der ersten und zweiten Generation der Moderne fort. Zuletzt war Hannah Höch 2015/16 in der von Beate Reese konzipierten Ausstellung »Befreite Moderne. Kunst in Deutschland 1945 bis 1949« vertreten.

Hannah Höchs 1916 beginnendes Werk umfasst sechzig Schaffensjahre. Gleichwohl wurde die Künstlerin nach dem Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich als Vertreterin des Dadaismus rezipiert und mit frühen Collagen präsentiert. Diese einseitige Konzentration auf das frühe Werk prägt bis heute das Bild – und verstellt den Blick auf das nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Werk. Der revolutionäre Weltentwurf von Dada als grundlegende Idee des Œuvres von Hannah Höch wird in der Ausstellung »Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst« ebenso thematisiert wie die Vielfalt des Werks. Bekannt wurde die Malerin, Grafikerin und Kunsthandwerkerin als Collage-Künstlerin. 1918 führte sie diese Technik als eigenständiges, wirkungsintensives Medium in die Bildende Kunst ein. Lebenslang blieb die Collage ihre wichtigste Ausdrucksform, die auch Gemälde inspirierte.

Mit der Konzentration auf das Werk von Hannah Höch nach 1945 würdigt das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr den Wert ihres gesamten Schaffens und unterstreicht die zentrale Stellung der Künstlerin im Gefüge der Moderne sowie des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung versteht sich als substantieller Beitrag zu ihrem Werk und auch zum Jubiläumsjahr der internationalen Dada-Bewegung, die vor 100 Jahren 1916 in Zürich begründet wurde. Hannah Höchs Schaffen wird in acht, für Leben und Werk zentralen Themenkapiteln präsentiert. Ein weitverzweigter Bilderkosmos, den es zu entdecken und sich ganz individuell zu erschließen gilt. Der Parcours beginnt mit einer ungewöhnlichen, wandfüllend collagierten Biografie im Gegenüber mit Selbstbildnissen und der monumentalen Fotomontage und »visuellen Autobiografie« Lebensbild. Die Themen Stadt und Natur werden ebenso aufgefächert wie jene, das gesamte Werk prägende Ironie und das »ewig Weibliche«. Weitere Kapitel sind der dunklen Seite von Trauer und Melancholie gewidmet, den »Weltbrand«-Jahren der Nazi-Diktatur sowie dem Kosmischen mit seinen Mond– und Sonnenbildern. Der Rundgang endet mit Hannah Höchs abstrakten, zeitlos-harmonischen Arbeiten.

Bis heute gehen von diesem Facettenreichtum des Höch'schen Werkes zahlreiche Impulse aus: Nicht nur übt die Malerin und Collagekünstlerin einen großen Einfluss auf zeitgenössische Kunstströmungen aus; auch die Kunstwissenschaft entdeckt immer wieder neue Perspektiven, die zeigen, wie weit Höch ihrer Zeit voraus war. Das begleitende Symposium, konzipiert von Dr. Alma-Elisa Kittner von der Universität Duisburg-Essen und Museumsleiterin Dr. Beate Reese, wird die Aktualität Hannah Höchs in der zeitgenössischen Kunst und Kunstwissenschaft thematisieren und diskutieren. Neben der interessierten Öffentlichkeit richtet es sich in besonderer Weise an Studierende der benachbarten Hochschulen in Duisburg/Essen und Bochum, die über das Studium des Originals und im Dialog mit Experten an eine wegweisende Künstlerin des 20. Jahrhunderts herangeführt werden.

Programm

9:00–9:30 Uhr
Eintreffen der Gäste, Kaffee

9:30–10:00 Uhr
Begrüßung und Einführung: Hannah Höch heute
Dr. Beate Reese, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr und Dr. Alma-Elisa Kittner, Universität Duisburg-Essen

10:00–10:45 Uhr
Dr. Karoline Hille, Ludwigshafen, Kuratorin der Ausstellung
Hannah Höch und der (de)konstruierte Körper

10:45–11:15 Uhr Kaffeepause

11:15–12:00 Uhr
Dr. Denise Toussaint, University of Johannesburg
Postkoloniale Perspektiven im Werk von Hannah Höch

12:30–13:15 Uhr
Prof.em. Dr. Hanne Bergius, Berlin
Hannah Höch auf Reisen. Zu-Fälle und Widerfahrnisse

13:15–15:00 Uhr
Mittagspause und Ausstellungsrundgang mit Dr. Beate Reese und Barbara Thönnes, M.A., Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

15:00–15:45 Uhr
Prof. Dr. Änne Söll, Ruhr-Universität Bochum
Strategische Verwandtschaften: Collage als politische Kunstpraxis bei Hannah Höch, Candice Breitz und Wangechi Mutu

15:45–16:30 Uhr
Dr. Ralf Burmeister, Berlinische Galerie
»DADA wurde morgen« – Eine Skizze zur Rezeptionsgeschichte Hannah Höchs

16:30–17:00 Uhr Kaffeepause

17:00–18:00 Uhr
Abschlussdiskussion: »Hannah Höch – zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit«, mit:

  • Dr. Beate Reese, Kunstmuseum Mülheim
  • Anja Lutz, The Green Box Verlag, Berlin
  • Herbert Remmert, Galerie Remmert und Barth Düsseldorf
  • Carmela Thiele, Journalistin, Karlsruhe

Moderation: Dr. Alma-Elisa Kittner

Konzeption und Organisation: Dr. Alma-Elisa Kittner, Dr. Beate Reese

Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten: kunstmuseum@muelheim-ruhr.de | Tel.: 0208 45541-71

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