Call for Papers

Call for Papers: Workshop: Handlungsakte. Mediale Formen von Anleitungen in den Künsten, am 8. und 9. November 2018 in Bielefeld

Der Arbeitsbereich für Historische Bildwissenschaft und Kunstgeschichte der Universität Bielefeld widmet sich mit dem Workshop im Herbst der Frage, wie Anleitungen in der Kunst auftreten und welche Art der Formulierung und Betrachtungsweise sie verwenden. Vorträge rund um künstlerische und kuratorische Praktiken oder etwa historische Bezüge in Anleitungen werden gesucht. Einsendeschluss für Abstracts: 30. Mai 2018.

Der zweitägige Workshop fragt nach medialen Erscheinungsformen von Anleitungsformaten. Es soll diskutiert werden, welchen Stellenwert Anleitungen in verschiedenen Zeiten und Epochen in den Künsten einnehmen und wie sie dabei unterschiedliche Handlungen oder Betrachtungsweisen formieren. Der historische sowie mediale Wandel von Anleitungen und wie sie Praktiken in Routinen überführen können, bildet den Rahmen des bildwissenschaftlich/kunstgeschichtlich ausgerichteten Workshops, der auch angrenzende Disziplinen berührt.

Der Begriff ›Anleitungen‹ wird allgemein mit »Gebrauchsanweisungen« in Verbindung gebracht. ›Anleitungen‹ adressieren in den unterschiedlichen zeitlichen, kulturellen und technischen Zusammenhängen eine Praxis, die im Sinne einer ›Gebrauchsanweisung‹ die Handhabung von Dingen und/oder Abläufen leitet. Dabei jedoch treten Ding und Mensch in ein wechselseitig konstituierendes Verweisungsverhältnis. Anleitungen, verstanden als Handlungspraktiken, sind bislang nur wenig kulturhistorisch und -theoretisch bearbeitet worden. Vielmehr prägen linguistische Fragestellungen das wissenschaftliche Feld dazu, wie Anleitungen zweckdienlich angefertigt werden sollten – und damit Anleitungen zur Anleitung bilden. Weitergehende kulturhistorische Auseinandersetzungen finden sich in ersten medienwissenschaftlichen und kulturtechnischen Ansätzen (Meerhoff, 2011, Badras, 2005, Schwender, 2005). Dabei stehen vornehmlich schriftlich verfasste Bedienungsanleitungen im Fokus, wie etwa Handbücher für Haushaltsgeräte.

Diesem engen Verständnis von Anleitungen als Gebrauchsanleitung wird nicht durchweg gefolgt. Vielmehr sollen auch nicht-schriftliche Praktiken einbezogen werden, um ein breiteres Verständnis von Anleitungen zu etablieren. So können zentralperspektivische und vergleichende Sehordnungen als Anleitungspraxis des Sehens verstanden werden. Im Kontext von Praktiken des Zeigens von Kunst sind Anleitungen in Form von Beschilderungspraktiken und Wegführungen bei Kunstausstellungen analysierbar. Auch künstlerische Werke selbst dienen als Anleitungen, als Konstituens ihres Gebrauchs oder ihrer Betrachtungsweise. Anleitungen, unabhängig von ihrer medialen Form, sind also ein konstitutiver Teil eines Interaktionsgefüges, das auf praktischen Ausführungen basiert und sich dabei stets neu ausbildet: Einerseits realisieren sich Anleitungen in unterschiedlichen Medien, andererseits produzieren wiederum verschiedene Medien auch jeweils spezifische Formen von Anleitungen. Anschließend an neuere kulturtheoretische und kulturtechnische Ansätze, die die Interaktionen von Menschen und Objekten analysieren, zielt der Workshop auf die Auslotung des theoretischen Potentials der »Anleitung« für die Bild-, Geschichts- und Kulturwissenschaften.

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge von 25-30 Minuten. Beiträge aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Bild-, Geschichts- und Medienwissenschaft sind ebenso willkommen wie Einsendungen aus der Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie der Philosophie. Beiträge können folgende Bereiche ansprechen, sind aber nicht darauf beschränkt:

  • Anleitungen und künstlerische Praktiken: Wie und auf welche Weise fungieren künstlerische Praktiken als Anleitungen? Was ist der spezifische Anteil von Anleitungen an den jeweiligen Praktiken, wie etwa bei überlieferten Künstlerrezepturen zur Anleitung von Bild- und Kunstproduktion?
  • Objekte als Anleitungen: Inwiefern nehmen Objekte selbst Anleitungscharakter an, und geben durch ihre Beschaffenheit, wie Material, Format oder Anfertigungen bestimmte Handhabungen vor? Etwa in spezifisch auffaltbaren Büchern?
  • Anleitungen durch kuratorische Praktiken: Wie leiten unterschiedliche kuratorische Präsentationsformen oder Hängeprinzipien das Betrachten und worauf gehen diese zurück? Welche Interaktionen existieren zwischen Werk, Text, Betrachter? Wie leiten restauratorische Protokolle, Künstlerzertifkate oder Installationsmanuals Re-Installationen an?
  • Anleitung und Wegeführung im Museum: Sind spezifische Leitsysteme in musealen Räumen auszumachen und wie leiten diese die Betrachtung von Werken?
  • Anleitung und Autorschaft: Welchen Stellenwert nimmt die Ausführung eines Werkes in Fragen der Autorschaft ein? Wer gilt als ›Künstler‹, die verfassende oder die ausführende Person?
  • Generelle Terminologien für ›Anleitungen‹: Was kann als ›Anleitung‹ noch sinnvoll bezeichnet werden, was fällt nicht mehr unter dieses Diktum?
  • Allgemeine historische Gebundenheit von Anleitungen: Lassen sich Zeiträume für bestimmte Praktiken bestimmen, ab wann es das Bedürfnis gab, Wissen medial festzuhalten? Welchem Zweck dienten sie in unterschiedlichen Epochen und in welchen Formaten existierten sie?

Reisekosten in üblichem Umfang sowie die Unterbringung für eine Nacht werden übernommen. Bitte senden Sie Ihren Themenvorschlag von max. 500 Wörtern sowie einen kurzen CV bis zum 30. Mai 2018 an veronica.peselmann@uni-bielefeld.de, martina.klaric@uni-bielefeld.de, maja-lisa.mueller@uni-bielefeld.de

Der Workshop wird finanziert und unterstützt von dem Zentrum für Theorien in der historischen Forschung/ Bielefeld.

Organisatorinnen:
Veronica Peselmann, Universität Bielefeld, Historische Bildwissenschaft/Kunstgeschichte,
Martina Klarić, Universität Bielefeld, Historische Bildwissenschaft/Kunstgeschichte,
Maja-Lisa Müller, Universität Bielefeld, Historische Bildwissenschaft/Kunstgeschichte