Call for Papers

Call for Papers: Städtebaugeschichte an deutschsprachigen Architekturschulen 1967–2017. Traditionen, Einflüsse und Zukunft eines Grundlagenfachs, am 6. und 7. Oktober 2017 in Zürich

Die Forschung zur Geschichte des Städtebaus soll im Mittelpunkt der Tagung stehen, die an der ETH Zürich stattfinden wird. Sie findet statt anlässlich des 50. Geburtstags der Professur für Städtebau in Zürich und lädt Fachwissenschaftler dazu ein, ihre Sicht der Fachgeschichte darzustellen und zu diskutieren. Einsendeschluss für Abstracts: 1. Februar 2017.

1967 wurde Paul Hofer zum ordentlichen Professor für «Geschichte des Städtebaus und allgemeine Denkmalpflege» berufen. Damit jährt sich die institutionelle Verankerung der Städtebaugeschichte an der ETH Zürich im Oktober 2017 zum fünfzigsten Mal. Im Rahmen einer Tagung nehmen wir dies zum Anlass, um die Vielfalt und Bedeutung der jüngeren Forschung und Lehre zur Städtebaugeschichte an den deutschsprachigen Architekturschulen sichtbar zu machen, ihre heutigen Protagonisten und vor allem ihren wissenschaftlichen Nachwuchs zusammenzuführen. Wir wollen so dazu beitragen, die Geschichte des Städtebaus als eigenständiges Fach an den Hochschulen weiter zu etablieren.

Die ursprüngliche Doppeldenomination des Zürcher Lehrstuhls trug einer Besonderheit der Disziplin Rechnung: Alle ihre Protagonisten näherten sich der Geschichte des Städtebaus aus anderen Arbeitsfeldern kommend, etwa der Kunstgeschichte, der Geographie oder der Architekturpraxis. In Forschung und Lehre verfolgten sie daher so unterschiedliche Interessen wie die Kunstdenkmälertopographie, die Bodenreform oder die Architektenausbildung. Auch bei Hofers Vorgängern und Nachfolgern an der ETH Zürich – Hans Bernoulli und Ernst Egli, André Corboz und Vittorio Magnago Lampugnani – spiegelt sich diese Vielfalt disparater Interessen und Themensetzungen beispielhaft wider. Die Geschichte des Städtebaus ist a priori interdisziplinär angelegt, zumal sie als eigenständiges Studienfach nicht existiert.

Gleichwohl rückt die Städtebaugeschichte als Grundlagenfach der Architektenausbildung seit einigen Jahren immer stärker ins Bewusstsein. Auch sind zu ihrer Disziplinengeschichte in jüngerer Zeit mehrere Publikationen erschienen, die ihrem Umfang zum Trotz mitunter aber eine gewisse Einseitigkeit aufweisen – methodisch und geographisch gleichermassen. Insbesondere die Wirkungsgeschichte des Fachs muss erst noch geschrieben werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der städtebauhistorischen Forschung der letzten 125 Jahre fehlt zumeist ganz, und so wird auch in der Lehre nicht selten ein jahrzehntealter Forschungsstand vermittelt.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass dem Fach an den meisten Hochschulen im deutschsprachigen Raum seine Eigenständigkeit und damit zugleich elementare Forschungsmöglichkeiten abgesprochen werden. Wo eine Professur für Städtebaugeschichte existiert, ist sie üblicherweise Teil der Architekturfakultät. Doch bis in die Gegenwart hinein lernen Architekten und Stadtplaner im Hochschulstudium oft nur zufällig oder gar nicht die historischen Bedingungen kennen, welche auf die Gestalt der Städte eingewirkt haben. Dieser Zustand wird durch den Trend noch verstärkt, gerade in jüngster Zeit bei Berufungen die Städtebaugeschichte in Vielfachdenominationen à la «Geschichte und Theorie von Architektur und Stadt» aufgehen zu lassen. Eines der seltenen Gegenbeispiele ist das seit Corboz explizit der engeren Geschichte des Städtebaus gewidmete Ordinariat an der ETH Zürich. Dabei lässt sich der grosse Einfluss des Fachs gerade dann ermessen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass beispielsweise eine Reihe von Hofer- und Corbozschülern heute städtebaulichen Entwurf lehrt, so in Berlin, Weimar und Wien.

Die Tagung soll kritische Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler zu Wort kommen lassen, die vom aktuellen Forschungsstand aus die Geschichte und Gegenwart der städtebauhistorischen Forschung und Lehre an deutschsprachigen Architekturschulen reflektieren. Ebenso sind Beiträge zur Situation in den europäischen Nachbarländern und zu den vielfältigen internationalen Verflechtungen willkommen. Weiterhin sollen die bestehenden Desiderate, Unzulänglichkeiten und Kurzschlüsse der bisherigen Städtebaugeschichtsschreibung exemplarisch offengelegt und die notwendigen oder wünschenswerten Entwicklungsperspektiven des Fachs beschrieben werden. Über diese disziplinären Fragen hinaus ist mit Blick auf die Architektenausbildung schliesslich zu fragen, wie die Geschichte des Städtebaus im Entwurf wirksam werden kann.

Interessentinnen und Interessenten sind eingeladen, einen Vorschlag (max. 500 Wörter) für einen etwa 20-minütigen Vortrag einzureichen. Bitte senden Sie diesen gemeinsam mit einem kurzen CV bis zum 1. Februar 2017 als PDF an folgende Adressen: rainer.schuetzeichel@gta.arch.ethz.ch und tom.steinert@tu-berlin.de. Die Entscheidung über die Auswahl der Beiträge wird Ende Februar 2017 bekannt gegeben.

Konzept und Organisation: Dr. Tom Steinert, TU Berlin, Institut für Architektur, und Dr. Rainer Schützeichel, ETH Zürich, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur.

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