Call for Papers

Call for Papers: Alfred Breslauer – Architekt einer traditionellen Moderne, am 9. und 10. März 2018 in Berlin

Alfred Breslauer war in den 1920er Jahren einer der gefragtesten Architekten Berlins, seine Entwürfer prägen die Stadt nach wie vor. Das Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin widmet ihm im Frühjahr 2018 eine Tagung. Hierfür werden noch Beiträge gesucht. Einsendeschluss für Exposés: 15. Oktober 2017.

Am 9.-10. März 2018 wird am Architekturmuseum der TU Berlin ein Colloquium über das Leben und Wirken des Architekten Alfred Breslauer (1866-1954) stattfinden.

Auf Alfred Breslauers Entwürfe gehen in Deutschland und weit darüber hinaus rund 200 Bauten zurück, ein Großteil davon Villen, Landhäuser und Schlösser. Vor allem in den 1920er Jahren gehörte Breslauer zu einem der meist beschäftigten Architekten Berlins, dessen Werk heute nahezu vergessen ist.
Ausgebildet an der Technischen Hochschule Berlin arbeitete Breslauer ab 1896 für zwei Jahre im Büro Messels und war dort u. a. als Bauleiter für den zukunftsweisenden Neubau des Warenhauses Wertheim an der Leipziger Straße tätig. Bereits bei seinen ersten ausgeführten Bauvorhaben, vorwiegend Geschäftshäusern und Bauten karitativer Einrichtungen, wusste Breslauer souverän, mit den Messelschen Grundlagen für eine Reformbaukunst umzugehen. Ab 1901 in Assoziation mit seinem Kommilitonen und Schwager Paul Salinger entwickelte er als seine besondere Auszeichnung den Typus des Landhauses als Modell modernen Wohnens in der Stadt und auf dem Land. Seine bereits ab 1906 vollzogene Hinwendung zu den einfachen Formen des preußischen Frühklassizismus und Spätbarock erhielt durch Mebes Publikation „Kunst um 1800“ 1908 ihre Bestätigung. Von nun an sollte vor allem diese Stilform als Ausdrucksmittel deutscher Reformarchitektur verstanden werden. Eine weitere Besonderheit lag in seinen Innenraumgestaltungen, bei denen stets die Aufnahme privater Kunstsammlungen im Vordergrund stand.

Im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen blieb Breslauer seiner in der Vorkriegszeit gefundenen architektonischen Lösung in den 1920er Jahren treu. Nach wie vor zeichneten sich seine Bauten durch einen nun eher als konservativ empfundenen Neoklassizismus aus. Mit dieser Stilwahl traf Breslauer den Geschmack der bürgerlich-jüdischen Elite, die darin ein Stück gesellschaftliche Gleichstellung mit der Zugehörigkeit zu Preußen auch in baugeschichtlicher Hinsicht meinte verbinden zu können.

Auf besondere Weise charakterisiert Breslauers Lebensweg die politischen Geschehnisse Deutschlands nach 1933. Von den Nationalsozialisten aufgrund seines jüdisch-stämmigen Vaters entrechtet, entschloss sich Breslauer erst nach der Reichspogromnacht mit seiner Frau in die Schweiz zu emigrieren.

Zur Anregung werden folgende Themenfelder vorgeschlagen:

  • das Vorbild des preußischen Frühklassizismus für die dt. Reformarchitektur um 1910
  • traditionelle Villen und Landhausarchitektur in den 1920er Jahren
  • Einordnung des Breslauerschen Villenwerks in die zeitgenössische Architekturproduktion der 20er Jahre
  • Innenausbau für Kunstsammlungen privater Auftraggeber in den 1910/20 Jahren im Hinblick auf die Breslauerschen Lösungen
  • zum Stilverständnis und der Stilwahl jüdischer Auftraggeber in der Weimarer Republik
  • Einfluss einer traditionsgebundenen Architektur auf die zeitgenössische Architektur im Zusammenhang mit der Moderne
  • Architektonische Grundlagen der Messelschule (Breslauer, Baumgarten, Schmohl, Schweitzer, Lesser u. A.), Verbindungen und Unterschiede

Anmeldung (mit kurzem Lebenslauf) für Vorträge zum Themenkomplex „Alfred Breslauer“ (max. 35 Minuten + 10 Minuten Diskussion) werden in Form eines Kurzexposés (ca. 2000 Zeichen) bis zum 15. Oktober unter folgender Adresse erbeten:
Architekturmuseum der TU Berlin, Dr. Robert Habel, Sekr. A 7, Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin
habel@tu-berlin.de

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