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Call for Applications: Sommerakademie Paul Klee, vom 4. bis 25. August 2017 in Bern

Nach elf Jahren Arbeit verabschiedet sich die Sommerakademie im Zentrum Paul Klee. Sie wird abgelöst von der Sommerakademie Paul Klee, die 2017 erstmals stattfinden wird. Dabei soll es zu einer Art Stabsübergabe kommen und sowohl 2017 als auch 2018 werden acht Fellows künstlerisch arbeiten und gemeinsam eine öffentliche Veranstaltung erarbeiten, die im Frühjahr 2019 stattfinden wird. Bewerbungsschluss für das neue Format: 18. Februar 2017.

Die Sommerakademie im Zentrum Paul Klee wurde 2006 in Bern als eine von der Berner Kantonalbank für die Dauer von elf Jahren finanzierte Institution gegründet. Ihre Hauptaufgabe sah sie darin, über das Schaffen und Denken in der Gegenwartskunst zu reflektieren und dazu den bestmöglichen Rahmen anzubieten. Ab 2006 nahmen jährlich eine Gruppe von zwölf internationalen Fellows, Künstlerinnen und Künstlern, Kuratorinnen und Kuratoren im Alter bis zu 35 Jahren an der Sommerakademie im Zentrum Paul Klee teil. Jedes Jahr gestaltete eine andere Gastkuratorin bzw. ein anderer Gastkurator die zehntägige Akademie und stellte diese unter ein Thema nach ihrer bzw. seiner Wahl. Speakers wurden eingeladen, die den theoretischen Diskurs und den Austausch, gelegentlich auch durch performative Auftritte oder Filmvorführungen, intensivierten. Die Sommerakademie im Zentrum Paul Klee verabschiedet sich von allen, die sie mitgestaltet und getragen haben und auch vom Publikum, das ihr sein Interesse entgegengebracht hat. Auf der Webseite ist weiterhin die Geschichte der 11 Jahre Sommerakademie im Zentrum Paul Klee und das einmalige Netzwerk der Alumni, NominatorInnen, KuratorInnen und Speakers aus rund 50 Ländern umfassend dokumentiert und einsehbar, www.sommerakademie.zpk.org.

Das Format wird nun zur Sommerakademie Paul Klee weiterentwickelt. Diese ist ein voll finanziertes Programm, das Künstlerinnen und Künstlern einen Ausstieg aus ihrem Alltag erlaubt, ohne die persönliche Praxis völlig zu unterbrechen. Es richtet sich an künstlerisch Tätige auf dem Niveau von Postgraduates mit oder ohne einen entsprechenden Ausweis. Die entscheidenden Bedingungen sind professionelle Erfahrung und intellektuelle Lust. Während zweier dreiwöchiger Zyklen im August 2017 und 2018 erhalten acht Fellows Zugang zur hochrangingen Infrastruktur und zum technischen Support der Hochschule der Künste Bern HKB. Gemeinsam werden sie ein öffentliches Ereignis im Frühjahr 2019 ausrichten. Ausgehend vom Konzept einer Sommerakademie möchte dieses neue Format über das bekannte Raster von Tutoraten und Seminaren hinausgehen, um sich auf Forschung in Gruppen und auf spartenübergreifende Allianzen zu konzentrieren.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es kaum Gelegenheiten für einen intensiven Austausch, wie ihn die Sommerakademie im Zentrum Paul Klee seither ermöglicht hat. Das neue Konzept baut auf dieser Pionierleistung auf, sieht allerdings eine noch stärkere Durchmischung von Theorie und Praxis, Diskurs und Produktion vor. Mit ihrem besonderen Zeitrahmen und der außergewöhnlichen Infrastruktur verknüpft die neue SPK eine kollektive Recherche mit den Vorteilen einer praxisorientierten Residency. Dank ihrem konkreten thematischen Ansatz und einem grundlegenden Bekenntnis zur künstlerischen Produktion will die SPK die gesellschaftliche Verantwortung der zeitgenössischen Kunst wahrnehmen. Sie verfolgt den Einfluss, den Künstlerinnen und Künstler auf ihre unmittelbare Umgebung haben, und sucht nach Möglichkeiten, diesen Anspruch neu zu stellen und zu bestimmen. Sie fragt danach, wie die Wirkung von Kunst optimal genutzt werden kann, hier und jetzt.

Kuratorischer Rahmen 2017 – 2019: »REALTY«: »REALTY« (dt. »Grundeigentum«, mit einem Anklang an »real estate« [Immobilienbesitz] und »Realität«) bezeichnet den thematischen Einstieg und den Rahmen für ein gemeinsam entwickeltes öffentliches Ereignis im Frühjahr 2019. Dieser Begriff fokussiert auf die Rolle zeitgenössischer Kunst in den jüngsten urbanen Entwicklungen. Vor allem die Gentrifizierung gibt heute ein heftiges, ein trauriges Beispiel ab für den Einfluss von Kunst. Antworten auf die Gentrifizierung sind weltweit zu einem Kernstück der künstlerischen Auseinandersetzungen geworden. Um über die Melancholie hinaus zu kommen, um zu vermeiden, dass wir einmal mehr nur über unser Versagen theoretisieren, müssen unsere Referenzen über den gewohnten europäisch-amerikanischen Kontext und den akademischen Rahmen hinausgehen. Wie weit können wir von einer Entwicklung sprechen, die den ganzen Planeten erfasst? Wenn der Begriff »Gentrifizierung« eine Vielzahl oft unterschätzter Faktoren einschließt, was folgt daraus für ein Regelwerk des Engagements? Um diese und andere Fragen anzugehen, wird sich »Realty« mit legalen Aspekten ebenso auseinander setzen müssen wie mit Künstler-Initiativen, mit Stadtentwicklungskonzepten, mit raumzeitlichen Mythologien, mit Kunst und / als Architektur und vielem anderem mehr.

Das Programm der SPK im Sommer 2017 umfasst Gastreferate zu künstlerischen Ansätzen, die ihre professionellen Perspektiven und ihre aktuellen Arbeitsbedingungen in einem umfassenden Sinn definieren. Zu Gast sein werden unter anderem die Künstlerin Lise Soskolne (W.A.G.E.), sowie die Theoretiker Suhail Malik und Dieter Lesage. Das öffentliche Ereignis von 2019 soll schliesslich auch ein Ausgangspunkt für den nachfolgenden Zyklus der Sommerakademie Paul Klee 2019-21 sein, mit neuen Fellows und einem anderen Kurator. Das aktuelle Format mag vom Realistischen zum Grotesken manches einschliessen; entscheidend ist die Hoffnung, die selbstkritische Polemik zu überwinden im Hinblick auf ein Modell, das sich lohnt, aufgenommen zu werden.

Diese Infrastruktur der HKB steht den Fellows der Sommerakademie zur Verfügung:

  • eine bestens ausgerüstete Druckwerkstatt
  • Labs für Holz, Plastik, Metall und Textil
  • ein high-end Sound Studio
  • Labs für Film, Video, digitale und analoge Fotografie
  • eine fachspezifische Mediathek mit Anschluss an das Netzwerk der Bibliotheken
  • Kontakte zu den wissenschaftlichen Laboratorien für Konservierung und Restaurierung

Praktisches:

  • Drei Aufenthalte vor Ort: 5. – 25. August 2017 / 4. – 24. August 2018 / April 2019
  • Reisen, Visakosten, Unterbringung und Verpflegung werden voll vergütet.
  • Ein kollektives Produktionsbudget steht zur Verfügung.
  • Als minimales Engagement werden 7-8 Wochen Präsenz vor Ort erwartet in einem Zeitraum von 20 Monaten (Sommer 2017 – Frühjahr 2019).
  • Grundsätzlich werden die Fellows ermuntert, Mitverantwortung für die Entwicklung des Programms und dessen Umsetzung zu übernehmen.
  • Weitere Besuche vor Ort, einschliesslich Workshops mit Studierenden der HKB, sind in Diskussion. Über den Rahmen dieser Workshops soll mit den Fellows der Sommerakademie Paul Klee entschieden werden.
  • Zwischen den Treffen vor Ort wird die SPK die Kontinuität des gemeinsamen Prozesses über verschiedene Online-Tools sicherstellen.
  • Anmeldefrist: 18. Februar 2017
  • Alumni der Sommerakademie im Zentrum Paul Klee sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben.

Die Anmeldung muss digital über die Website: www.sommerakademie-paul-klee.ch bis spätestens 07.00 MEZ am Samstag, 18. Februar 2017, eintreffen.

Anforderungen:

  • Ein kurzes Statement über die Motivation für die Bewerbung und / oder einen Vorschlag, wie mit der Thematik der Sommerakademie und der Infrastruktur umgegangen werden soll (maximal 800 Worte).
  • Dokumentation der aktuellen künstlerischen Arbeiten und / oder des künstlerischen Ansatzes
  • CV und Kurzbiographie
  • Verfügbarkeit für ein Skype-Gespräch am Mittwoch, 22. Februar 2017.

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