Termin

Filmvorführung: Call Her Applebroog

Filmvorführung 16.10.2016, 20:00 Uhr–18.10.2016

Deutsches Historisches Museum, Berlin, Deutschland

USA 2015, R/K/S: Beth B., M: Jim Coleman, P: Jean Lignel, B Productions, 70' · DCP, OF, Deutschlandpremiere

Collapse and Recovery hieß 2012 das Leitmotiv der 13. Documenta. Dies ließe sich als Titel auch dem Gesamtwerk der New Yorker Künstlerin Ida Applebroog voranstellen, die dort mit einer Installation vertreten war. Applebroog wurde 1929 als Ida Applebaum in eine jüdisch-orthodoxe Immigrantenfamilie geboren und wuchs in der Bronx auf. Früh erfährt sie ihr Umfeld als beengend und bedrohlich. Kunst dient ihr zur Selbstwerdung und Selbsterhaltung. Ihre Arbeiten thematisieren immer wieder die von Machtkämpfen und Rollenzuweisungen geprägten menschlichen Beziehungen. Sexualität und Körperlichkeit dienen dabei als Projektionsfläche, auf der sich die Künstlerin mit den Spielarten dieser Themen auseinandersetzt.

Mit Call Her Applebroog ist der Filmemacherin und Tochter Applebroogs Beth B. nun ein unaufgeregtes, intimes Porträt gelungen. Zugleich ist der Film das Gemeinschaftsprojekt zweier gleich starker Künstlerpersönlichkeiten. Wenn es gilt, Skizzen zuzuordnen oder Texte zu entschlüsseln, gleicht dieses Projekt oft einer archäologischen Ausgrabung. Da aber Applebroogs Leben und Werk die Objekte dieser Ausgrabung sind, teilt sie nicht immer das Interesse ihrer Tochter, Dinge ans Licht zu bringen: „This is a description of I have no idea!“ sagt sie zu Beginn des Filmes über einen Text aus einem ihrer Notizbücher. Diese Momente der Ungeduld und Lustlosigkeit sind erhellend. Sie verweisen auf einen Ort des Schweigens, von dem allein aus es der Künstlerin möglich scheint, auf die Zumutungen des Lebens zu antworten. Zwischen Mutter und Tochter läuft das nicht immer reibungslos ab; Call Her Applebroog ist ein Film über das Leben und die Kunst und zugleich eine Fortsetzung von beidem. (abe)